Blogbeitrag von nadja

Ein Jahr Rainbowpony: Wie naiv waren wir bitte?!

Manchmal frage ich mich, ob ich statt eines Businessplans lieber ein Stoßgebet gen Himmel hätte schicken sollen. Mein Pferd Max hat das neulich übrigens wörtlich genommen – und erst mal neugierig an einem Wegkreuz am Jesus geschnuppert. Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob er um noch mehr Leckerlis gebetet hat oder darum, dass der liebe Gott mir endlich etwas mehr Verstand schenkt.

Wir wollten Pferde retten, Menschen aufklären und die Welt ein kleines bisschen besser machen. Ein Jahr später sitze ich in meinem Schlafzimmer, in dem es gefühlt 100 Grad hat, verlege an Weihnachten Paddockplatten, schupfe schimmelige Heuballen durch die Gegend und frage mich ernsthaft, wo genau mein Lebensentwurf eigentlich entgleist ist.

Die Notaufnahme im Schlafzimmer

Dringende Durchsage: Franzi, meine Katze, hat eine akute Niereninsuffizienz. Ihre Körpertemperatur ist auf 35 Grad abgesunken.

Während der Tod an der Zimmertür kratzt, liege ich also mit ihr in einer tropischen 26-Grad-Sauna und verbringe zwei Stunden damit, ihr intravenöse Flüssigkeit zu verabreichen. Eine Zitterpartie zwischen Hoffnung und purem Panikschweiß.

Und weil ich offensichtlich unter chronischem Realitätsverlust leide, nutze ich diese Schockstarre-Phase, um einen Jahresrückblick zu tippen. Prioritäten! Wer braucht schon Schlaf oder ruhige Nerven, wenn man mehrere Krisen gleichzeitig haben kann?

Das Jahr der Katastrophen (und warum wir trotzdem nicht aufgeben)

Während ich darauf warte, ob Franzi den Kampf gewinnt, zieht dieses Jahr in Zeitlupe an mir vorbei. Und wenn ich ehrlich bin: Es war ein einziger Parcours aus Ausnahmezuständen.

Wir hatten zeitweise vier nicht reitbare Pferde im Garten stehen. Vier!

1 Holly: Eigentlich schon fast vermittelt, bis der katastrophale Röntgenbefund kam. Unreitbar. Traum geplatzt,Holly bleibt.

2 Banana Split: Ihre Hufe sind in diesem Jahr keinen Millimeter steiler geworden, und wegen ihrer Arthrosen wäre sie wahrscheinlich ohnehin nicht reitbar.

3 Jeff: Unser Methusalem, der uns vor einem Monat nach langer gemeinsamer Zeit für immer verlassen hat.

4 Max: Mein eigenes, teuer gekauftes Reitpferd. Er hat mich in diesem Jahr gleich zweimal so spektakulär abgesetzt, dass ich mit massiven Prellungen am Boden lag und mich inzwischen nicht mal mehr aufsteigen traue. Denn ein Ausfall meinerseits? Hier schlicht unmöglich!

Als ob das nicht reicht: Wir hatten zwei Koliken, ein festgelegtes Pferd und einen Max, der sich fast den Haxen in einer Scheibtruhe gebrochen hätte.

Zwischen Schimmel-Chaos und Wunder-Wesen

Und genau da, wo das Chaos am lautesten schrie, zeigte dieses Jahr sein ganz eigenes, bittersüßes Gesicht.

Da war zum Beispiel das Heu-Debakel 2026: Wegen der extremen Ernteknappheit mussten wir Heu aus Kroatien importieren – und bekamen tonnenweise schimmelige Ballen geliefert.

Spenden? Ein Mythos. Ehrlich gesagt kommt der Großteil des Geldes aus unseren eigenen Familien und dem Marktcafé, das wir einmal im Monat schupfen. Unser Sommerfest? Ein reines Nullsummenspiel, das eigentlich den Wintervorrat sichern sollte. Plötzlich stand man also da mit den Rechnungen, dem Ärger und einem Lieferanten, mit dem wir uns einen harten, zermürbenden Kampf liefern mussten, um wenigstens einen Teil des Geldes zurückzubekommen.

Doch direkt neben diesem Frust passierte das Unerwartete: Mitten in der Not bekamen wir von einem wunderbaren Lieferanten aus Tirol einfach so 12 (!) Heuballen gespendet – genug Heu für das nächste halbe Jahr unserer Stuten! Überhaupt wurden wir dieses Jahr von einer Welle der Hilfsbereitschaft und von so vielen lieben Menschen getragen, die unsere Arbeit wertschätzen. Sie sind das Fundament, das uns durch die Tiefen trägt.

Und während wir draußen im Gatsch versanken und kurz vor Weihnachten im eisigen Sturm Paddockplatten verlegten und im Sommer Regentänze tanzten, passierte im Innneren der Tiere das wahre Wunder: Seht euch die Stuten an! Vor einem Jahr standen da zwei panische, zitternde Wesen, die bei der Abholung sediert werden mussten und deren Horizont bei den Vorderhufen auf der Hängerrampe endete. Heute? Aus den extrem skeptischen, verängstigten Seelen sind neugierige, mutige Persönlichkeiten gewachsen. Sie vertrauen uns inzwischen so grenzenlos, dass sie völlig frei und freiwillig in den Pferdetransporter spazieren! Wer Tierschutz betreibt, weiß, dass das ein emotionaler Gänsehaut-Moment ist.

Die bittere YouTube-Wahrheit

Dabei war unser eigentlicher Plan ein noch größerer. Fini und ich wollten nicht nur Pferde retten, sondern über unseren YouTube-Kanal ihre Geschichten erzählen. Wir wollten aufklären, Vorurteile abbauen und genau die Menschen erreichen, die sonst absolut nichts mit Tierschutz am Hut haben.

Die harte Realität des Algorithmus: Es interessiert die Masse schlichtweg nicht.

Videos über Holly und Splitti, in die wir Herzblut und Zeit stecken, werden kaum geklickt. Was hingegen läuft? Reißerisches Drama wie die Schlachtfohlenthematik oder Problempferdeposts. Zwischen Ausmisten, Tierärzten, Marktcafé, Kolik-Nächten und dem täglichen Kampf gegen das Wetter blieb am Ende überhaupt keine Zeit mehr für das, was mir eigentlich so am Herzen lag: das Filmen und Geschichten erzählen von Wesen, die sonst unsichtbar wären. Die tägliche Versorgung frisst uns auf.

Der Twist: Wir brauchen Paten & unser A-Team!

Fini und ich schmeißen diesen Laden hier aktuell zu zweit. Wir sind gleichzeitig Kamerafrauen, Regisseurinnen, Stallburschinnen, Trainerinnen, Geschäftsführerinnen, Buchhalterinnen, Transporteure, Krankenschwestern, Paddockplatten-Verlegerinnen und Profi-Heuschupferinnen.

Aber wenn wir wirklich etwas verändern und nicht im täglichen Überlebenskampf ersticken wollen, müssen wir umdenken. Zwei Paar Hände reichen schlichtweg nicht mehr aus.

Tierschutz muss nicht trocken, traurig und grau sein. Rainbowpony soll positiv, bunt, herzlich und anders werden. Aber dafür müssen wir aus dem Hamsterrad ausbrechen und dieses Projekt auf ein solides Fundament stellen.

1. Wir suchen Patinnen & Paten: Ein Jahr später stehen Holly und Split immer noch bei uns. Vermittlung? Extrem schwer. Manche Interessenten machen Termine aus – und tauchen einfach spurlos nie auf. Wir stellen uns realistisch darauf ein, dass die beiden womöglich noch sehr lange keine Hängerfahrt in ein neues Zuhause antreten werden. Deshalb suchen wir Menschen, die uns mit einer Patenschaft unter die Arme greifen und helfen, die monatlichen Kosten für Futter, Hufpfleger und Tierarzt abzusichern.

2. Wir suchen unser A-Team: Ihr könnt oder wollt nicht nur finanziell unterstützen, sondern anpacken? Wir suchen Menschen zum Mitaufbauen! Egal ob bei der täglichen Versorgung im Stall, bei der Organisation, der Medienarbeit, beim Fundraising, bei Events oder mit handwerklichem Geschick.

Ob wir es wieder tun würden? Fragt uns nach der nächsten Heulieferung. Bis dahin: Wer Lust hat, Teil von etwas Neuem, Buntem und Großem zu werden – meldet euch bei uns!

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